Mit einer SWOT Analyse zur Vision

SWOT Analyse

SWOT Analyse

Eine Vision ist der ideale Ursprung aller Ziele. Sie unterlegt Zielsetzungen (was und wie) mit sinnstiftenden Gründen (warum).

Es gibt etliche sinnvolle Vorgehensweisen, sich Klarheit über seine Vision zu verschaffen. Eine, die erfahrungsgemäß recht schnell und effektiv zu brauchbaren Ergebnissen führt, ist die Anwendung einer speziellen Ausprägung der sog. SWOT Analyse.
Sie erlaubt eine analytische und reflektierte Entwicklung einer strukturierten Vision ohne dabei methodisch kompliziert oder besonders aufwändig zu sein.

SWOT Analyse

SWOT ist ein englisches Akronym für Strengths, Weaknesses, Opportunities and Threats, Aus der deutschen Übersetzung Stärken, Schwächen, Chancen und Bedrohungen lässt sich leider kein so schönes Akronym bilden.

Die sog. SWOT Analyse wird häufig angewendet, um die aktuelle Situation sowie zu erwartende Entwicklungen zu analysieren und daraus geeignete strategische oder taktische Maßnahmen abzuleiten.

Die der SWOT Analyse zu Grunde liegenden Prinzipien werden schon seit Jahrhunderten angewandt. Zunächst vorwiegend im militärischen Kontext. Vermutlich deshalb ist sie auch nach wie vor in den Grundlagen etlicher Kampfsportarten verankert. Seit den 1960er Jahren findet sie vermehrt auch zur Strategieentwicklung in Unternehmen Anwendung.

Meiner Erfahrung nach kann sie auch gut zur systematischen und effizienten Entwicklung individueller Visionen für Einzelpersonen oder Organisationen effektiv genutzt werden.

Vorgehen

Das Vorgehen ist eigentlich ziemlich simpel. Es werden Stärken und Schwächen sowie Chancen und Risiken analysiert und dokumentiert. Anschließend können aus der kreuzweisen Verknüpfung dieser Aspekte strategische Ziele abgeleitet werden.

Stärken und Schwächen

Begonnen wird üblicherweise mit der Analyse der aktuellen Stärken und Schwächen aus der Innensicht.
Sofern verlässliche und objektive externe Quellen zur Verfügung stehen, können diese natürlich auch hinzugezogen werden.

Es handelt sich um einen analytischen Selbstevaluationsprozess, der eine sachliche und umfassende Auflistung der aktuellen Stärken (z.B. Kernkompetenzen, Alleinstellungsmerkmale, Wettbewerbsvorteile, usw.) sowie der aktuellen Schwächen (z.B. Kompetenzdefizite, Wettbewerbsnachteile, o.ä.) zum Ergebnis hat.
Im Fokus steht dabei die heutige Situation (nicht die Vergangenheit oder die Zukunft) und es geht dabei in erster Linie um Fakten (nicht um Annahmen, Wünsche oder Befürchtungen).

Chancen und Risiken

In einem zweiten Schritt werden üblicherweise Chancen und Risiken betrachtet.
Dabei handelt es sich meist um durch externe Faktoren beeinflusste mögliche Entwicklungen, die es zu analysieren gilt.

Daraus resultiert eine sachliche und möglichst umfassende Auflistung aktuell erkennbarer wirtschaftlicher, technologischer, sozialer oder ökologischer Einflussfaktoren und insbesondere deren antizipierter Auswirkungen.
Hier geht es also vorrangig um die Formulierung zukünftiger Zustände, deren Eintreten entweder anzustreben (Chancen) oder zu vermeiden (Risiken) ist. Diese strategischen Erfolgsfaktoren dürfen zwar ambitioniert sein, sollten aber dennoch so sachlich und und fundiert dargestellt sein, dass ein Eintreten realistisch erscheint.

SWOT Matrix

Aus den folgenden Verknüpfungen der vier Quadranten der SWOT Analyse können dann strategische Zielsetzungen abgeleitet werden.

  • S-O: Matching-Strategie
    • »aufbauen«
    • Chancen nutzen, die gut zu den Stärken passen
  • W-O: Umwandlungsstrategie
    • »aufholen«
    • Schwächen eliminieren, um Chancen zu nutzen,
    • Risiken in Chancen umwandeln
  • S-T: Neutralisierungsstrategie
    • »absichern«
    • Stärken nutzen, um Risiken bzw. Gefahren abzuwehren
    • Risiken durch Stärken entschärfen
  • W-T: Verteidigungsstrategie
    • »meiden«
    • Schwächen nicht zum Ziel von Bedrohungen werden lassen
    • Risiken durch den Abbau von Schwächen reduzieren

Anwendung zur Formulierung einer Vision

Wie z.B. im Beitrag zum zmarTWay Masterplan Ansatz ausgeführt, ist eine solide ausgearbeitete Vision eine wichtige Grundlage für die Definition von Zielen und deren Umsetzung.

Eine SWOT Analyse eignet sich gut zur systematischen Erarbeitung und Darstellung der wesentlichen Aspekte einer sinnvollen Vision: der aktuelle Zustand (»wie es ist«) in Form von Stärken und Schwächen sowie die zukünftig erwartete Situation (»wie es sein wird«) in Form von Chancen und Risiken.

Spielen wir das konkrete Vorgehen einmal durch.

Wir beginnen mit der Definition eines Kontext für die zu formulierende Vision. Geht es um ein konkretes Vorhaben, eine Organisationseinheit, eine (Geschäfts-)Beziehung oder die komplette Lebensplanung?

Wie es ist: Stärken und Schwächen

Ist der Kontext klar, starten wir mit der Auflistung der relevanten Stärken und Schwächen.

Es ist wichtig, die eigenen Stärken und Schwächen möglichst vollständig und sachlich zu beschreiben. Es geht hier keineswegs darum, Sie bzw. Ihre Organisation oder Ihr Vorhaben besonders gut darzustellen. Es geht in erster Linie um eine objektive und realitätsnahe Sicht auf die aktuelle Situation.
Falls möglich, kann auch die unvoreingenommene Sicht eines unabhängigen Dritten zur Abrundung herangezogen werden.

Je nach betrachtetem Kontext kann es sich um sehr unterschiedliche Faktoren handeln.
Hier können Sie z.B. Ihre aktuellen Vor- und Nachteile im Vergleich zu Wettbewerbern auflisten.
Vielleicht haben sie einzigartiges Wissen oder außergewöhnliche Qualifikationen, die Sie vorteilhaft nutzen können oder aber es fehlt Ihnen z.B. an notwendigem Know-how.
Möglicherweise stellt ihr Standort einen erfolgskritischen Faktor für Ihr Vorhaben dar.
Oft spielt auch das vorhandene Kapital bzw. die aktuelle Kostensituation eine ausschlaggebende Rolle.
Auch bestehende Abhängigkeiten von oder zu anderen sowie von direkt beeinflussbaren Randbedingungen sollten betrachtet werden.

Damit haben sie zwei der vier Quadranten der SWOT Analyse — nämlich S und W — befüllt.

Wie es sein wird: Chancen und Risiken

Um die verbleibenden zwei Quadranten der SWOT Analyse — nämlich O und T — zu befüllen, führen wir uns die zukünftigen Chancen und Risiken vor Augen.

Beschreiben Sie möglichst vollständig und sachlich, welche Gelegenheiten und Bedrohungen Sie in Bezug auf den betrachteten Kontext erkennen. Auch hier geht es darum, eine möglichst objektive und realistische Sicht zu dokumentieren.

So können Sie z.B. auf für Sie erkennbare Trends und Entwicklungen am Markt oder das voraussichtliche Verhalten Ihrer Mitbewerber eingehen. Auch wichtige Rahmenbedingungen, auf die Sie sich verlassen oder deren Änderung sie absehen, sollten Sie hier dokumentieren.

Missionen ableiten

Eine Vision zu haben ist ein guter Schritt in Richtung einer erfolgsorientierten Strategie und deren Umsetzung. Nach dem zmarTWay Masterplan Konzept folgt als nächster Schritt die Ableitung einer sinnvollen Mission.

Chancen nutzen

Formulieren Sie Mission Statements, die auf den zuvor aufgelisteten Stärken aufbauen und in Richtung der identifizierten Chancen wirken.
Chancen oder Teilaspekte davon werden sich dabei öfter im »warum-Teil« (Zweck/Nutzen), Stärken oder Teilaspekte davon eher im »was-Teil« (Ergebnis/Zustand) von Mission Statements wiederfinden.

Sie sollten auch versuchen, Mission Statements zu formulieren, die in Richtung der identifizierten Chancen wirken, indem sie aktuell existierende Schwächen abmildern oder eliminieren.

Risiken entschärfen

Formulieren Sie in einem zweiten Schritt Mission Statements, die aktuelle Stärken nutzen, um Risiken bzw. Gefahren abzuwehren.
Auch hier werden sich Stärken oder Teilaspekte davon eher im »was-Teil« (Ergebnis/Zustand) und Risiken oder Teilaspekte davon öfter im »warum-Teil« (Zweck/Nutzen) der Mission Statements wiederfinden.

Versuchen Sie außerdem, Mission Statements zu formulieren, die darauf abzielen, Risiken durch den Abbau von Schwächen zu reduzieren.

Dran bleiben

So kann man recht schnell und mit vertretbarem Aufwand eine initiale Vision formulieren und erste Umsetzungsziele ableiten.
Allerdings sollte man nicht davon ausgehen, dass das Thema damit auf lange Sicht erledigt ist. Auch hier gilt der Grundsatz, agil auf sich verändernde Rahmenbedingungen und neue Erkenntnisse zu reagieren und stets am Ball zu bleiben.

Developing a vision is a process, not a destination.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.